Die Berner Matte

News und Oldies aus der Berner Matte - dem sympathischen Quartier an der Aare

Matte-Zufahrt und Matte-Poller

Die Polleranlage steht bei der Einmündung der Weihergasse in die Aarstrasse, ungefähr bei der Jugendherberge. Bei der anderen Zufahrt zum Quartier, beim Nydeggstalden / Untertorbrücke stehen keine Poller. Weiterlesen und Plan ansehen hier

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Welcome to the Matte

Some few informations and links in English!

Unterwegs auf der Linie zwölf

Logo Linie 12Die Buslinie Nummer 12 ist Heimat für die Mätteler. In einem weiten Bogen führt sie vom Bärengraben auf den Hauptgassen durch die historische Berner Altstadt  bis hinauf zum Bahnhof. Woher auch man aus der Matte in die Oberstadt aufsteigt, eine Fahrt mit dem Zwölfi - Bus ist schier unausweichlich. Ebenso unausweichlich ist eine Fahrt mit müden Morgenmuffeln, lauten Schülern, Kinderwagen im Gstungg, aber auch fröhlichen Menschen, Touristen unterwegs zum Bärengraben, Politikern auf dem Weg ins Bundeshaus, Besucherinnen des Wochenmarkts mit ihren hungrigen Märitwägeli, eine Mischung, bunt wie das Leben selbst. Ein paar Minuten Busfahrt  - Augen auf und gut festhalten.

Peter Maibach

Linie 12 - surprise

Der Surprise - Mann sucht sich einen Platz auf der hintersten Sitzreihe im halb leeren Zwölfer. Der Zeitungsverkäufer, gross und kräftig, wuchtet seine schwere Tasche auf einen freien Sitz neben sich. Surprise, das Strassenmagazin, "das Menschen in sozialen Schwierigkeit hilft, sich aus eigener Kraft aus Abhängigkeiten zu befreien", wie im Internetauftritt angepriesen wird. Die "Nei-merci-Zytig" in der Stadtberner Alltagssprache. Ich stelle mir vor, dass es nicht einfach ist, das Magazin auf der Gasse eiligen Passanten anzubieten. Umso grösser das Erstaunen des Surprise-Verkäufers - unterwegs im Bus zu seinem Standort. Eine junge Frau am Fensterplatz auf der Rückbank, proper für den Büroalltag zurechtgemacht, lächelt den massigen Verkäufer an. "Haben Sie mir bitte eine Zeitung?"

Der Zeitungsverkäufer schaut verwundert auf, zieht ein Surprise aus der Tasche und steckt das Zeitungsgeld ein. Ein paar freundliche abschliessende Worte und die Frau vertieft sich in das Magazin. Beim Bahnhof steigen beide gut gelaunt aus.

Peter Maibach

Linie 12 - Der Fünfer im Zwölfer

Die Sitzreihe hinten im 12er Bus hat im Heck, bei der Einsteigeplattform fünf Sitzplätze in Fahrrichtung und gegenüber einen Zweier und Einersitz von dem aus der Fünfplätzer bequem beobachtet werden kann.

Am beliebtesten sind in der Fünferreihe die beiden Fensterplätze aussen, die sind immer sofort besetzt. Wegen der davor montierten Haltestange auf der einen Seite und der Bustüre auf der anderen kann man aber nur seitlich darauf rutschen, hat aber dann seine Ruhe.

Bleiben drei freie Plätze in der Mitte der Reihe. Logisch, ein neu zugestiegener Passagier wird sich in die Mitte setzen. Und dann wird es spannend. Wenn noch jemand mehr zusteigt, bleiben nur zwei Plätze frei, beide sind eng und man quetscht sich auf Tuchfühlung an zwei Nachbarn. Zudem muss man aufstehen, wenn der Fensterplätzler aussteigen will.  Was er auch tatsächlich schon bei der nächsten Haltestelle tut. Und was jetzt? ans Fenster nachrutschen?  Auf dem alten Sitz warten, bis jemand fragt, ob daneben noch frei sei?

Souverän gelöst hat es die Dame, die auf den soeben frei gewordenen Fensterplatz ohne zu zögern ihre Marktasche stellte und darin solange herumkramte, bis jedermann die Lust vergangen war, die Frau strafend anzublitzen.

Peter Maibach

Linie 12 - Kübelitag

Diese Episode handelt in einer Zeit, als es noch schwere, blecherne Ochsnerabfalleimer gab und es maskuline Ehrensache war, dass die starken Männer des Hauses den Ghüder an den beiden wöchentlichen Abfuhrtagen morgens früh auf die Strasse hinaus stellten.

Der Vater trug jeweils den grösseren Eimer, ich den kleineren, aus der Garage den kurzen Weg hinauf an den Strassenrand. Nach vollbrachter häuslicher Pflicht eilten wir beide weiter, zur Haltestelle und von dort zur Arbeit, in die Schule. An jenem Morgen jedoch waren wir beide in ein Gespräch vertieft, ein Wort gab das andere, schon standen wir wartend an der Haltestelle.

Die anderen Passagiere lächelten uns freundlich, aber erstaunt  zu, ebenso freundlich lächelten wir zurück. Doch oh Schreck, kurz vor dem Einsteigen stellen wir endlich fest, dass wir immer noch unsere Abfalleimer umklammert hielten. "Da stimmt etwas nicht!", bemerkte der Vater mit unwiderlegbarer Logik. So zottelten wir zurück, die Kübel in der Hand, zu unserer Einfahrt, stellten die Ghüderkessel an  ihren vorgesehenen Platz und nahmen unsere Mappen vom Strassenrand auf, wo wir sie anstatt der Eimer hingestellt hatten.  Und wenn ich nicht diese paar Zeilen geschrieben hätte, würde niemand von dieser alten Geschichte erfahren haben.

Peter Maibach


Linie 12 - Hudelwetter

Es regnete wie aus Kübeln. Alles ist nass, die Scheiben im Bus sind beschlagen, tropfende Schirme kleben an den Hosenbeinen wie nasse Hunde, die Brille ist beschlagen, es ist kein Sein. Seit Tagen schon.

Der Zufall will es, dass ich gleichzeitig mit dem ehemaligen Bundesratsprecher Oswald Sigg aussteige, Schirm an Schirm sozusagen. Wir tropfen vor uns hin, warten auf Grün um die Strasse zu überqueren.

"Souwätter, heute."
"Ja, Hudelwetter."
"Kannst du nicht mal dem Bundesrat vorschlagen, endlich für besseres Wetter zu sorgen? Bei den Steuern die wir zahlen!"
Sigg überlegt einen Moment, verschwindet unter dem Schirm. Dann taucht er wieder auf und meint dann trocken: "Momoll, das könnte ich schon machen." Er zögert, grinst schelmisch: "Aber ich glaube sie würden sich nicht einig."

Peter Maibach