Die Berner Matte

News und Oldies aus der Berner Matte - dem sympathischen Quartier an der Aare

Matte-Zufahrt und Matte-Poller

Die Polleranlage steht bei der Einmündung der Weihergasse in die Aarstrasse, ungefähr bei der Jugendherberge. Bei der anderen Zufahrt zum Quartier, beim Nydeggstalden / Untertorbrücke stehen keine Poller. Weiterlesen und Plan ansehen hier

Welcome to the Matte

Some few informations and links in English!

Linie 12 - Where is the Bärengraben

Besseres Wetter, helle Tage und herzige Bärlein - die Touristen kommen in Scharen nach Bern. Mich freut's, gerne teile ich "meine" Stadt mit anderen Bernfans und solchen, die es noch werden wollen. Ein Wermutstropfen bleibt trotz aller Sommerfreuden zwischen Bärenplatz und Bärengraben. Vor mir steht Mister X, der Sprache nach aus den USA, gross, breit in buntem Hemd und kurzen Hosen und mit Gattin: "Xcuuuuse me, where is the Bärengraben?".

Kein Problem, immer die Stadt hinunter und dann over the bridge. Schwierig wird es erst bei der Frage, ob denn auch einen Bus dorthin gebe. Kein Problem, die Nummer 12 fährt bis direkt vor den Bärengraben.

Dann stehen Mister X, seine Gattin und ich hilflos vor dem Billettautomaten und wundern uns international. Sollen sie Einzelbillette lösen oder eine Tageskarte oder eine Mehrfartenkarte oder eine Visitors Card oder die BernCard, die es aber nur am Schalter beim Bahnhof gibt. Natürlich reicht das Münz bloss für ein Ticket und Schwarzfahren will ich nicht empfehlen. Ah Bah, was soll's, ich habe noch etwas Kleingeld in der Hosentasche und ergänze, was zum zweiten Billett fehlt. Have a nice day!

Peter Maibach

Linie 12 - Warenumschlag gestattet

Am Morgen, eigentlich ist es viel zu früh um bereits wach zu sein und an der Bushaltestelle zu stehen. Wenn die Zeit nicht so knapp wäre, würde es für einen schnellen Espresso beim  Italiener gegenüber reichen, er hat soeben geöffnet. Ein Blick auf die Anzeigetafel ernüchtert, in zwei Minuten kommt der Bus, das ist zu knapp, schade. Just in diesem Moment schwebt  ein eleganter Wagen lautlos auf die Trottoirverbreiterung bei der Haltestelle.

"Moment", protestiert leise der Schweizer in mir, "das geht nicht, das ist ein Trottoir, eine Tramhaltestelle, Anhalten verboten! Gehts noch!" Ein mit lässiger Grandezza gekleideter Signore, kunstvoll verstrubbelt, einen modischen Schal um den Hals geschlungen, springt elegant aus dem Wagen. Auf der Beifahrerseite  entsteigt eine  unverschämt taufrische Schönheit der Luxuskarosse. Arm in Arm stiefeln die beiden plaudernd auf die Cafébar zu. Kurz vor dem Eingang dreht sich der Signore im gehen um, wedelt mit dem digitalen Autoschlüssel zum Fahrzeug hin, lautlos öffnet sich der Kofferraumdeckel und signalisiert: Warenumschlag. Se non è vero, è ben trovato. Capisce?

Peter Maibach

Linie 12 - Gugelfuhr

Von der Länggasse her ist es ein Vergnügen sich bis zum Rathaus chauffieren zu lassen, besonders an einem Frühlingsnachmittag wie diesem. Alle Passagiere an Bord der Arche 12 sind gut aufgelegt und auf der hintersten Bank johlen Schulkinder, Dritt- oder Viertklässler.

Trotz aller Frühlingsmilde wird es einigen doch etwas zu laut. Ein älterer Herr setzt sich auf zu den übermütigen Kindern und fragt: "Kennt  ihr ein Lied?". Und ohne erst das verlegenen Schweigen abzuwarten, beginnt  der gut gekleidete Herr gleich selbst zu singen.

Ramseyers wei ga graase, kaum ist die erste Strophe fertig,  fallen die Kinder in den Refrain ein. Als sogar weitere Passagiere in das Lumpenliedli einfallen, zückt der Sänger eine Mundharmonika und begleitet seinen spontanen Chor bis zur Haltestelle bei der Schanzpost. "So, jetzt muss ich aussteigen, auf ein andermal." Eine fröhliche Gugelfuhr nimmt den Rank beim Hirschengraben, beim Bahnhof leert sich der Bus.

Peter Maibach

Linie 12 - Schleichfahrt

Ich begreifs'ja. Wenigstens im Prinzip. Die neuen Trams sind so lang, dass nur eines auf einmal Platz hat an der Haltestelle. Das ist schön, wenn man im vorderen Tram sitzt, das ist mühsam, wenn man im darauffolgenden Bus steht und zügig umsteigen möchte. Denn wenn der hintere Buschauffeur merkt, das die Haltestelle vor ihm schon vom Füfitram besetzt ist, kriecht er derart im Schneckentempo durch die Gasse, dass es zum verzweifeln ist. Warum bin ich nicht zu Fuss zum Bahnhof marschiert, sondern lege die paar hundert Meter zwischen Bärenplatz und Bahnhof  mit unter Null Kmh zurück?  Und ich ahne es bereits, wenn ich am Bahnhof umsteigen will, ist mein Tram bereits über alle Berge.

Gut, immerhin muss ich mir nicht überlegen, ob ich vorne oder hinten auf dem Perron auf  das nächste Tram warten soll, es schliessen ja neuerdings alle ganz nach vorne auf. Ausser natürlich genau der Trämeler, der  hinter meinem 12 Bus auf freie Einfahrt wartete und Erbarmen hatte mit seinen Passagieren, die auf den Zug hetzen müssen.

Ich warte und schaue zu, wie er zuvorkommend die Türen öffnet, während sich der Busfahrer vor ihm sich zur Weiterfahrt rüstet. Endlich ist es soweit, freie Fahrt! Nur noch ein Augenblick und ich sitze im Tram - doch das rauscht jetzt majestätisch an meiner verdutzen Nase vorbei.

Peter Maibach

Linie 12 - Italien liegt am Bärenplatz

Warten am frühen Morgen, im kalten Regen. Die Haltestelle Bärenplatz hat auf Durchzug Stufe drei geschaltet. Mitte im kalten Grau klettert schwankend ein Gemüselaster auf aufs Trottoir und bald schon beginnt der Fahrer  Kisten mit Salat und Gemüse auszuladen. Ausser Regentropfen gibts nicht viel zu sehen, also schaue ich zu, die Hände tief in den Taschen vergraben.

Aus der Gegenrichting gleitet ein 12er-Bus an die Haltestelle, chauffiert  offenbar von einem Kollegen des Gemüselers. Nur wenige Fahrgäste sind unterwegs und so bleibt Zeit für einen kurzen Schwatz, italienisch und lebhaft.  Die Bustüren schliessen, der Buschauffeur schiebt sein Fensterchen zu, die Haltestelle ist schon wieder leer.

Ein älterer Signore, picobello gekleidet, mit lässiger Eleganz tritt aus der Laube zum Gemüsefahrer, buongiorno, buongiorno mit Schulterklopfen, ein paar freundliche Worte, die ich ncht verstehe. Mein Bus kommt, nimmt mich mit. Die beiden Landsmänner verabschieden sich und hinter meinem Bus holpert der Gemüselaster wieder auf die Strasse. Für ein paar Augenblicke noch schaue ich zurück auf das nass glänzende Trottoir, das für einen Moment eindeutig in Italien lag.

Peter Maibach